mc-test ..... Alfred Schön

Klein und oho

Computer für Einsteiger: VZ 200

Geringfügig kleiner als ein DIN A4 Blatt ist der VZ 200, der im wesentlichen baugleich auch als Laser 110 im Handel ist. Der Preis für das Grundgerät liegt um 300 DM, eine Summe also, die für den Sprung in die Computerei gerade richtig ist. Eine Reihe interessanter Eigenschaften lassen diesen Computer für die ersten Schritte eines Einsteigers geeignet erscheinen.

monstrations - Kassette beweist.
Auch sonst ist der VZ 200 recht komfortabel, denn die Fehlermeldungen werden im Klartext ausgegeben; eine gute Alternative zu umständlichem Suchen in Handbüchern. Gerade Anfängern hilft das, mit ihrem Computer zurechtzukommen. Etwas irreführend in diesem Zusammenhang ist aber, daß alle Meldungen des Computers - auf dem Bildschirm natürlich in Englisch -im mitgelieferten Basic Handbuch (vermutlich aus Versehen) mit ins Deutsche übersetzt worden sind. Dieses kleine Handicap sollte den Gebrauchswert des ansonsten gut gemachten Handbuches aber nicht beeinträchtigen.

Peripherie und Erweiterungen

Der VZ 200 kann sowohl mit einem (Farb)Fernsehgerät als auch mit einem Monitor betrieben werden, für beide Anwendungsfälle sind Ausgangsbuchsen auf der Rückseite vorhanden (Achtung: gleicher Stecker!). Beim Testgerät zeigte das erzeugte Bild eine Schwäche in bezug auf vertikale Linien, die nie ganz ruhig zu stehen scheinen. Dieser Effekt war ebenfalls am Bildrand zu beobachten, auch beim Betrieb mit einem Monitor.
Außer dem obligatorischen Netzteil
wird ein Kassettenrecorder - Verbindungskabel mitgeliefert; leider fehlt die Möglichkeit, den Recorder vom Computer her zu steuern. Speichern und laden mit dem Recorder funktioniert gut, wenn man erst einmal den richtigen Wiedergabepegel gefunden hat. Auf der Rückseite des Gerätes sind unter zwei Abdeckungen zwei Platinenstecker verborgen, einer für Peripheriegeräte wie Drucker und ähnliches, der andere für
Speichererweiterungen. Letzteres ist besonders wichtig, denn mit den eingebauten 4 KByte kommt man natürlich nicht sehr weit.

Beim ersten Hinsehen wirkt die Tastatur des VZ 200 nicht gerade vertrauenerweckend (Bild 1). Gummitasten in einer zum Teil ungewohnten Anordnung (Shift nur links, Space nur rechts) irritieren anfangs etwas. Aber: sie funktioniert hinreichend gut. Man spürt beim Betätigen eine Art Druckpunkt, wird er überschritten, piepst es (na ja) und das betreffende Zeichen erscheint auf dem Bildschirm. Tastenprellen trat im Testzeitraum nicht auf. Die Tasten sind bis zu vierfach belegt - weit weniger schlimm, als man denkt denn im Gegensatz zu anderen Fabrikaten ist die Mehrfachbelegung beim VZ-200 gut gelöst. In der Grundfunktion erreicht man wie gewohnt die Alphazeichen (nur Großbuchstaben), mit der Shift Taste zusammen dann die verfügbaren Grafikzeichen (Blockgrafik). Die dritte und vierte Funktion der Tasten sind mit Schlüsselwörtern (GOTO, LIST usw.) belegt, die mit Hilfe der Taste CTRL (Control) bzw. mit CTRL RETURN angesprochen werden. Diese Belegung ist sinnvoll, weil jeder, der auf eine Taste mit einem P drückt, ein P auf dem Bildschirm erwartet und nicht den Befehl PRINT. Man kann also wie gewohnt seine Programmzeilen zeichenweise eingeben; die Schlüsselwörter sind dann vorteilhaft, wenn man mit der Tastatur genügend vertraut ist. Ansonsten vergeht nämlich mehr Zeit mit der Suche nach der Taste mit dem gewünschten Schlüsselwort als durch das Betätigen nur einer Taste gespart wird.

Auffallend: ein Bildschirm Editor

Eine sehr nützliche Eigenschaft des VZ200 offenbart sich, wenn man eine Programmzeile ändern will. Da braucht man keine umständliche Edit Funktion, sondern geht mit den Cursor - Steuertasten
hinein in die Zeile und führt die Korrektur durch Überschreiben der Zeile durch. Mit RETURN wird die geänderte Zeile an den Rechner übergeben. Funktionstasten für Insert (Zeichen) und Delete (Zeichen) sind ebenfalls vorhanden. Sehr angenehm ist ein Bildschirm - Editor auch dann, wenn der gleiche Befehl im Direktmodus mehrfach gegeben werden soll. Zur Wiederholung braucht nur der Cursor in die Zeile gefahren und RETURN gedrückt werden.
Ein Bildschirm Editor setzt das Vorhandensein eines Bildschirmspeichers voraus. Dann ist auch die direkte Manipulation des Bilschirminhaltes vom Programm aus möglich. Beim VZ 200 dürfte diese Möglichkeit kaum genutzt werden, da sein Basic auch Befehle zum Setzen von Bildschirmelementen besitzt. Im Textmodus sind 16 Zeilen von je 32 Zeichen auf dem Bildschirm darstellbar, der Grafik Modus läßt 128x64 Punkte zu.Die beiden Modi kann man nicht mischen, so daß man sich, wenn Text erforderlich ist, mit der geringeren Auflösung zufrieden geben muß. Mit Hilfe der 8 Farben lassen sich recht gute Grafiken erzeugen, wie eine mitgelieferte De-
VZ 200
Bild 1. Der VZ 200 ist ein Z80 Computer, der in Hongkong hergestellt wird
ABS NEW
AND NEXT
ASC NOT
ATN OR
CHR$ OUT
CLOAD PE EK
CLS POKE
COLOR POINT
CONT PRINT
COPY PRINT
COS PRINT TAB
CRUN PRINT USING
CSAVE PRINT @
DATA READ
DIM REM
END RESET
EXP RESTORE
FOR ... TO ... STEP RETURN
GOSUB RIGHT$
GOTO RND
IF . . THEN ELSE RUN
INKEY$ SET
INP SGN
INPUT SIN
INPUT # SOUND
INT SQR
LEFT$ STOP
LEN STR$
LET TAN
LIST USR
LLIST VAL
LPRINT VERIFY
LOG  
MID$  
MODE  
Ein gutdurchdachtes Basic

Den Basic Interpreter des VZ 200 kann man als eine gelungene Mixtur bezeichnen, bei der auf jegliche Schnörkel verzichtet wurde (Bild 2). Es sind alle wichtigen Befehle implementiert, einschließlich der Möglichkeit, Dateien auf Kassette zu erzeugen oder ein Programm auf Kassette mit dem im Speicher zu vergleichen. So etwas wird bei Platzmangel im ROM gerne weggelassen, obgleich für den Benutzer sehr wichtig. Der schon öfters verwendete Basic-Benchmark ( 1 ) benötigte eine Zeit von 15 s und lieferte ein 6stelliges Resultat; ein durchaus angemessener Wert.
Die Grafik Fähigkeiten des VZ 200 sind nicht übermäßig, aber grafische Möglichkeiten werden (außer bei Demonstrationen) selten ausgenutzt und dürfen deshalb nicht überbewertet werden. Ein großes Plus des Geräts ist seine gute Bedienbarkeit, die dem Einsteiger zugute kommt. Ein ausbaufähiges System kann der VZ 200 nicht sein, aber ein hilfreiches Instrument auf dem Weg in die Computerei.

10 FOR I=0 TO 2000
20 A=10/3
30 NEXT I
40 PRINT A
RUN
3.33333
Dieses Mini Benchmark Programm prüft Stellenzahl und Geschwindigkeit

Feichtinger, Herwig: Genauigkeit kostet Zeit. mc 1983, Heft 6, S. 28.

Mein Kommentar :

Auch nach über 20 Jahren ist der Artikel von Alfred Schön noch lesenswert.
- Chapeu -

Aus heutiger Sicht bleibt nachzutragen :
Die Tastatur bereitete im Laufe der Zeit tatsächlich Probleme, sodass sie mit Graphit oder Silberleitlack ausgebessert werden musste, wenn sie nicht beizeiten durch eine andere ersetzt wurde.
Das Laden von Programmkassetten blieb unzuverlässig.
Es gab ausser den Speicher-Erweiterungen die Disketten Laufwerke, das Drucker-Interface, Joysticks, einen Light-Pen und den USER Port als Zubehör. Zusammen mit Farbmonitor und Drucker hat man für ein komplettes System schnell 3000 DM hingeblättert.
Ausser den beschriebenen BASIC Befehlen kann der VZ/LASER problemlos bearbeiten : RANDOM, DEFINT, DEFSNG, DEFDBL, RESUME, ON, SYSTEM, DELETE, AUTO, VARPTR, ERL, ERN, STRING$, MEM, FRE, POS, CINT, CSNG, CDBL und FIX.
Ausserdem ist möglich TRON, TROFF und statt ON ERROR GOTO/GOSUB heisst es ON SOUND GOTO/GOSUB.
Die entsprechenden Routinen sind im ROM vorhanden, die Befehle lassen sich aber nur anzeigen und eingeben, wenn sogenannte BASIC-Erweiterungen benutzt werden.